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Gesund im Beruf

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Der Fachkräftemangel offenbart die Bedeutung

"Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann ein echtes "Win-win" für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein", meint Jörn Simon, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz

Jeder Arbeitgeber wünscht sich gesunde, leistungsfähige Arbeitnehmer und letztere profitieren natürlich ebenfalls von einem gesundheitsfördernden Umfeld. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann daher ein echtes "Win-win" für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein. Dazu gehören, neben Arbeitssicherheit und betrieblichem Eingliederungsmanagement, auch einzelne Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Strategisch gut integriertes BGM führt zu geringeren Fehltagen, niedriger Fluktuation, besserer Arbeitsatmosphäre und einer höheren Attraktivität des Arbeitgebers. Die Techniker Krankenkasse (TK) kann dies nach der Umsetzung zahlreicher BGM-Projekte anhand einer breiten Datenbasis bestätigen. Dennoch nutzen kleine und mittelständische Betriebe dies noch zu selten.

Rheinland-pfälzische Pflegekräfte sind acht Tage länger krank

Vor allem in der Pflegebranche dürfte aber nun der zunehmende Fachkräftemangel die Bereitschaft erhöhen, BGM-Prozesse umzusetzen. Dass Handlungsbedarf besteht zeigt auch der TK-Gesundheitsreport 2019: Rheinland-pfälzische Pflegekräfte waren knapp acht Tage länger krankgeschrieben als Berufstätige anderer Branchen. Auch nahmen sie häufiger und länger Antidepressiva ein. Zudem sind Kräfte der Altenpflege durchschnittlich nur 8,4 Jahre in diesem Beruf tätig. Ergo: Zur Entschärfung des Fachkräftemangels gilt es also auch bereits ausgebildete Pflegekräfte mittels BGM-Projekten gesund im Beruf zu halten.

Die große Bedeutung von BGM hat auch das Kaiserslauterner Wohn- und Pflegeheim "Kessler-Handorn" in privater Trägerschaft erkannt. Für die Planung und Umsetzung wandte sich die Einrichtung an die TK. Neben der eigenen Expertise verfügt die Krankenkasse über ein breites Netzwerk an Partnern, welche die Betriebe im Zuge der BGM-Projekte beraten und unterstützen. Das Leistungsspektrum der Einrichtung reicht von der häuslichen Pflege, der vollstationären, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, der Betreuung Demenzerkrankter bis hin zur Pflege schwerstpflegebedürftiger Menschen als auch der Palliativpflege. Die Mitarbeiter sind daher mit anspruchsvollen Tätigkeiten befasst, so dass die Aufmerksamkeit für das eigene Wohlbefinden leicht in den Hintergrund geraten kann.

Kick-Off mit Führungskräften

Zu Beginn wurde ein Arbeitskreis "Gesundheit" nach dem "Berliner Modell" etabliert. Merkmal dieses Zirkels ist es, dass alle Mitglieder einer Hierarchieebene angehören - mit Ausnahme des beratenden Gesundheitsexperten. Nach einer "Kick-Off-Veranstaltung" gemeinsam mit den Führungskräften wurde zur Analyse eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, um ein Stimmungsbild hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit, Kommunikation und Unterstützung im Team sowie der Arbeitslastverteilung zu erhalten.

Bessere Kommunikation

Das Ergebnis: Die Kommunikation im Arbeitsalltag wurde als verbesserungswürdig erlebt. Die Umfrage zeigte zudem, dass die meist große Nähe zu den Patienten, ab und an zu Abgrenzungsschwierigkeiten führt. Im Allgemeinen besteht ein großes Bedürfnis an Wertschätzung und Orientierung. Im Austausch mit den BGM-Experten der TK entschied sich das Pflegeheim gemeinsam mit den Führungskräften das Leitbild zu reflektieren, das Organigramm zu überarbeiten und Stellenprofile neuen Entwicklungen anzupassen.

Stressmanagement gesundheitsbewusste Ernährung

Die Mitarbeiter wünschten sich zudem Stressmanagement-Kurse und Angebote für eine gesundheitsbewusste Ernährung. Dank eines "Kummerkastens" können Mitarbeiter anonym Anregungen und Sorgen äußern. Damit die BGM-Maßnahmen auch nachhaltig umgesetzt werden, benennt man Multiplikatoren, die z.B. auf die Durchführung der "bewegten Pause" achten. Die positiven Auswirkungen der Maßnahmen sind schon jetzt im Team spürbar. Eine abschließende Bewertung wird voraussichtlich im Spätsommer erfolgen. Auch wenn nachhaltige Gesundheitsförderung nur möglich ist, wenn die Führungskräfte authentisch dahinter stehen und dies auch leben, kann der Prozess selbst jederzeit von den Pflegekräften selbst angestoßen werden. Interessierte können über die nachstehende Internetseite eine Beratungsanfrage stellen.

Der Autor Jörn Simon hat die Leitung der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz 2017 übernommen. Der TK-Chef ist im rheinland-pfälzischen Ahrweiler geboren und wohnt in Ingelheim (Rheinhessen).

Fotonachweise:

Portraitbild Jörn Simon: TK RLP

Gruppenbild: Kessler-Handorn

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