Foto: GPS Wilhelmshaven 2018

Eskalationen verhindern

Arbeitgeber, schützt eure Mitarbeiter!

Wer Gewalt gegen Pflegende vorbeugen will, braucht das Rad nicht neu zu erfinden. Best-Practice-Beispiele zeigen, wie es geht.

Der gemeinnützige Träger der Sozialen Arbeit GPS Wilhelmshaven setzt seit einigen Jahren Maßnahmen zur Prävention von Gewalt um. Wir haben die Erfahrungen damit in zwei Interviews beleuchtet: auf Führungsebene mit der stellvertretenden Geschäftsführerin Petra Mingo und auf Mitarbeiterebene mit dem Einrichtungsleiter Oliver Kuhnt.

Frau Mingo, welche Maßnahmen wurden in Ihrer Einrichtung zur Prävention von Gewalt eingeführt und wann haben Sie damit begonnen?

Seit 2009 finden regelmäßig Inhouse-Schulungen zum Thema "Umgang mit Gewalt und Aggression" statt. Anfang 2014 wurde bei der GPS Wilhelmshaven die "Leitlinie zum Verfahren nach Übergriffen" eingeführt. Darin sind die Maßnahmen beschrieben, mit denen Mitarbeiter nach Übergriffen durch Betreute seitens der GPS Wilhelmshaven umfassend unterstützt werden. 2015 dann fingen wir mit dem Aufbau eines Deeskalationsmanagements an. Es wurde unter anderem, eine Konzeption erarbeitet, die die Maßnahmen zur Prävention von Gewalt festschreibt. In den Jahren 2015 und 2017 wurden jeweils 18 Mitarbeiter der GPS Wilhelmshaven zu internen Deeskalationstrainern ausgebildet. Weitere Schulungen sind geplant.

Herr Kuhnt, Sie blicken auf eine lang jährige Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit seelischer Behinderung zurück und sind Einrichtungsleiter im Wohnverbund Soziale Psychiatrie. Was hat sich für Ihr Empfinden seit Einführung der Maßnahmen zur Gewaltprävention verändert?

Aus Sicht der Leitung können Mitarbeiter vielbesser beraten werden, etwa in Bezug auf Kommunikation und einen professionellen Umgang in schwierigen Betreuungssituationen. Durch die Planung, alle Mitarbeiter des Wohnverbundes zu schulen, sind alle Kollegen auf dem gleichen Kenntnisstand und können sich untereinander besser austauschen, beraten und unterstützen. Eine schöne Rückmeldung ist auch, dass sich unsere Kollegen gestärkt fühlen und es schätzen, dass der Arbeitgeber in diesem Bereich in sie investiert.

Die Intrviews führte: Dana Heidner

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