Foto: Nina Tiefenbach

Ethik in der Pflege

Anwälte der Patienten und Bewohner

Bei ethischen Fragen nehmen Pflegende eine besondere Rolle im therapeutischen Team ein. Denn oft bauen sie eine enge Beziehung zu den zu Pflegenden auf.

Pflegeroboter, Lebensverlängerung, Priorisierung bei Personalnot - Pflegefachpersonen sind fast täglich mit ethischen Fragen konfrontiert. Das Gute daran: Sie können je nach Setting die Rolle von Experten, Beratern, Vermittlern, Begleitern oder Advokaten einnehmen.

Als Berufsgruppe, die mit Abstand die meiste Zeit mit Bewohnern oder Patienten verbringt und häufig eine enge Beziehung zu ihnen aufbaut, nehmen Pflegefachpersonen innerhalb des therapeutischen Teams eine besondere Rolle ein. "Pflegende sind als Menschen und Fachpersonen in ganz herausragender Weise gefordert, die Selbstbestimmung des Patienten oder Bewohners zu achten und gleichzeitig auch die Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung aufzuzeigen", sagt Professor Dr. habil. Ingo Proft, Leiter des Ethik-Instituts der Hochschule Vallendar.

Der Patient lehnt Pflege ab - was tun?

Es sind nicht nur die großen ethischen Fragen, die Spannungen schaffen. "Auch vermeintlich kleine ethische Herausforderungen gehören in Kliniken, Altenheimen, Hospizen und der häuslichen Versorgung zum pflegerischen Alltag", sagt Margit Haas, Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Trier. "So kann zum Beispiel eine Pflegeintervention wie die regelmäßige Lagerung eines pflegebedürftigen Menschen von diesem abgelehnt werden, weil er ein Ruhebedürfnis hat."

In solchen Situationen prallen verschiedene Interessen aufeinander: Die Pflegefachperson trägt die Verantwortung für den Gesundheitszustand des Patienten oder Bewohners - es ist ihre Pflicht, ihn zu versorgen. Doch was, wenn dieser gerade in Ruhe gelassen werden möchte? Die Diskrepanz zwischen objektivem Pflegebedarf auf der einen und individuellem Bedürfnis auf der anderen Seite führt nicht selten zu einem moralischen Dilemma.

Autorin: Kati Borngräber

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