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Studie

Alkohol im Alter

Vergleichsstudie: Wenn alte Menschen Alkohol konsumieren, spielen neben den Risiken auch die positiven Effekte eine Rolle.

Trinken spielt im Alter eine facettenreiche Rolle. Das hat eine systematische Vergleichsstudie von Forschern der Universität Newcastle in England ergeben. Demnach kann der Konsum von alkoholischen Getränken neben den bekannten Gesundheitsrisiken durchaus eine positive Wirkung entfalten – etwa, indem er alten Menschen hilft, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten aufrechtzuerhalten. Lebt ein alter Mensch aus gesundheitlichen Gründen abstinent, kann das im Umkehrschluss seine sozialen Kontakte reduzieren. Senioren dabei zu unterstützen, diese Wechselwirkung zu erkennen und damit bewusst umzugehen, könnte der Studie zufolge ein wichtiges Thema in der Pflege von älteren Menschen sein.

Frauen konsumieren anders Alkohol

Geschlechtsspezifische Unterschiede scheinen ebenfalls relevant beim Trinken im Alter: Während männliche Senioren ihren Alkoholkonsum mit den Jahren eher reduzierten, räumten einige Frauen ein, mehr zu konsumieren als früher. Information und Beratung sollten in jedem Fall einem gendersensiblen Ansatz folgen und die sich wandelnden gesellschaftlichen Rollenbilder berücksichtigen. Eine besondere Vorliebe haben Senioren – und vor allem Seniorinnen – für Alkohol als „Medizin“ für kleinere Gebrechen, ergab die Studie. Während diese Form der „Selbstmedikation“ bei jüngeren Menschen als Anzeichen für ein problematisches Trinkverhalten gilt, ist sie bei den Älteren jedoch unabhängig vom individuellen Konsum populär.

Alkoholstudie: Mehr als 1.500 Probanden

Für die Metaanalyse haben die britischen Public-Health-Forscher die Ergebnisse von 21 Qualitativen Studien aus 15 Industrieländern zusammengefasst. Auf diese Weise konnten sie Metadaten über den Alkoholkonsum von mehr als 1.500 Männern und Frauen im Alter von 50 bis 90 Jahren auswerten. Jede Studie berücksichtigte Teilnehmer mit unterschiedlichem Trinkverhalten – einschließlich Abstinenzler.

Es ist nicht leicht, aus dieser Studie eine allgemeingültige Handlungsanweisung abzuleiten. Fest steht nur: Es empfiehlt sich meistens, auch den sozialen Aspekt des Alkoholkonsums zu berücksichtigen.

„Alkoholkonsum im Alter wird vom Wohnumfeld sowie individuellen, sozialen und kulturellen Faktoren beeinflusst. Wird aufgrund von gesundheitlichen Risiken eine Verhaltensänderung des älteren Menschen angestrebt, sollten Pflegende diese Faktoren beispielsweise bei der Information und Beratung berücksichtigen“, sagt Martin Dichter, Ph.D., Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent für Evidence Based Nursing (EBN), Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Vorsitzender des DBfK Nordwest. Er hat die Studie fürs Kammermagazin ausgewählt.

Autorin: Kati Borngräber

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