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Das Monkeypoxvirus (MPV) ist kein neues Virus, sondern seit langem bekannt und tritt in einigen tropischen Regionen Afrikas endemisch auf.
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Das Monkeypoxvirus (MPV) ist kein neues Virus, sondern seit langem bekannt und tritt in einigen tropischen Regionen Afrikas endemisch auf.

Beruf + Praxis

Affenpocken – Gefahr für Pflegefachpersonen gering

Der Virologe Dr. Bodo Plachter (Universitätsmedizin Mainz) geht zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass für Pflegefachpersonen eine besondere Ansteckungsgefahr durch das Affenpockenvirus besteht: Das sogenannte Monkeypoxvirus ist nicht so leicht übertragbar wie das SARS-CoV-2-Virus. In Rheinland-Pfalz waren bis zum Redaktionsschluss 15 Fälle offiziell bekannt.

Herr Professor Plachter, besteht aktuell Gefahr für Pflegefachpersonen?

Prof. Bodo Plachter: Nein, das sehe ich nicht. Im Prinzip sind die Fälle und die Kontaktpersonen identifiziert, das Geschehen ist bisher konzentriert und überschaubar. Es betrifft im wesentlichen Männer tendenziell eher jüngeren Alters, die sehr engen körperlichen Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Eine akute Ansteckungsgefahr für Pflegefachpersonen sehe ich weder in der ambulanten noch in der stationären Pflege. Unabhängig davon ist der Krankheitsverlauf im Regelfall mild, in den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb weniger Wochen von selbst. Aber damit keine Weiterverbreitung stattfindet, müssen die Patienten bis zum Abklingen der Beschwerden isoliert werden.

Gelten in der ambulanten Pflege oder Intensivpflege besondere Vorsichtsmaßnahmen?

Wir müssen beobachten, wie sich die Situation weiterentwickelt, aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Erkrankte Personen befinden sich im Normalfall in häuslicher Isolation, da sie nicht schwer erkrankt sind. Nur wenige sind in der Klinik. Es ist zu erwarten, dass die Infektionswelle irgendwann wieder abebbt, da sich solche Infektionsketten gut unterbrechen lassen. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass man jetzt einen Patienten betreut, der keine Symptome zeigt, aber dennoch an Affenpocken erkrankt ist. Infektiös werden die Patienten in der Regel erst, wenn Hautveränderungen wie Exantheme, Bläschen oder Pusteln auftreten. Diese Veränderungen sind in der Tat infektiös. Aber sie fallen natürlich auf, insbesondere einer Pflegekraft. In diesem Fall ist umgehend für diagnostische Abklärung sorgen.

Was tun bei einem Verdacht?

Ansprechpartner im Verdachtsfall ist der Hausarzt. In einem begründeten Verdachtsfall ist das Gesundheitsamt zu informieren, dieses wird unter Umständen in Rücksprache mit dem Landesuntersuchungsamt weitere Maßnahmen einleiten. Aber nicht jede kleine Hautveränderung, nicht jede kleine Pustel spricht sofort für Affenpocken. Gürtelrose oder Windpocken machen ähnliche Symptome. Wenn eine Person schon längere Zeit krank oder pflegebedürftig ist, und in der häuslichen Pflege sind das ja in der Regel ältere Menschen, sollte man sich als Pflegefachperson fragen, ob es theoretisch überhaupt Kontaktmöglichkeiten gegeben haben könnte. Aber selbstverständlich sind anhaltende Hautveränderungen immer ärztlich abzuklären.

Welche Hygieneregeln müssen bei tatsächlicher Erkrankung beachtet werden?

Da gibt es relativ umfangreiche Maßnahmen, die beachtet werden müssen. Der Erreger wird meist über verschorfte Pusteln übertragen, in denen er sich relativ gut halten kann. Diese Symptomatik kennen wir auch von den Pocken. Oberflächenreinigung, Reinigung der Bettwäsche, das Tragen einer FFP2-Maske und unter Umständen von Schutzkleidung werden erforderlich, wenn ein Patient wirklich symptomatisch ist. Ausführliche Beschreibungen gibt es auf der Seite des Robert Koch-Instituts (RKI).

Viele Pflegefachpersonen sind in jungen Jahren gegen Pocken geimpft worden. Ist die Vorsorgeimpfung noch wirksam?

Die Antwort ist ein klares „Jein“. Es ist wahrscheinlich, dass noch ein Impfschutz besteht, aber darauf würde ich mich nicht verlassen. Es gibt einen gewissen Schutz, aber der ist nicht absolut.

Eine allgemeine Impfpropyhlaxe?

Es macht aus meiner Sicht wenig Sinn, breit zu impfen, da das Risiko eines Kontaktes begrenzt ist. Wenn sich das Geschehen wider Erwarten ausbreiten würde, dann kann man über eine Impfprophylaxe des medizinischen Personals nachdenken. Aber bisher gibt es dafür keine Evidenz. Grundsätzlich kann man in der Inkubationsphase, also 1 bis 4 Tage nach Kontakt mit einem Infizierten, mit guter Aussicht auf Erfolg impfen. Es ist ein sicherer Impfstoff verfügbar, der im Allgemeinen gut vertragen wird.

INFO

  1.  Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei engem Kontakt möglich.
  2.  Die Virusinfektion ist selten und heilt in der Regel von alleine ab.
  3.  Denkbar ist eine Übertragung bei direktem Hautkontakt mit dem Ausschlag oder Schorf, Einatmen von Tröpfchen beim Husten oder Niesen einer Person mit Ausschlag oder Kontakt mit benutzter Kleidung oder Wäsche, etwa Handtüchern.
  4.  Symptome können 7 bis 21 Tage nach der Infektion auftreten. Erste Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Flecken, Papeln oder Pusteln treten gleichzeitig auf, verkrusten und fallen dann ab. Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben (in der Regel zwei bis vier Wochen lang).
  5.  Informationen finden sich auf der Webseite des Robert Koch-Instituts: https://bit.ly/3PepEhG

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